Filmfacts

F!F zeigt 303, Regie: Hans Weingartner, D 2018

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Das Modell “303” ist ein Reise-Omnibus von Mercedes-Benz aus den 80er Jahren. Wahrscheinlich ist der Regisseurs des Films damit einst zur Schule gefahren worden oder hat in seiner Jugend eine Reise damit gemacht. Voller Nostalgie, so scheint es zunächst, ist jedenfalls Hans Weingartners Roadmovie “303”, denn wenn zwei junge Menschen, beide attraktiv, in einem alten Bus mitten im Sommer gemeinsam eine Reise durch Europa beginnen, kann eigentlich nichts anderes herauskommen als eine als Roadmovie getarnte Romanze.  Tatsächlich zu sehen ist im Film allerdings ein Mercedes Benz, Typ “Hymer T 1 ‘Bremer’ 650”. Und “303” ist mehr als die Geschichte von zwei jungen Leute, die sich nach einer Viertelstunde ineinander verknallen und dann mehr als eine Kinostunde brauchen, um tatsächlich zueinander zu finden.

Jule ist durch ihre Abschlussprüfung in Biologie gefallen. Außerdem ist sie ungewollt schwanger. In einem Wohnmobil, übernommen von ihrem Bruder, der sich vor kur­zem umgebracht hat, fährt sie los, um den Erzeuger des Kindes in Portugal zu besu­chen. Kurz nach Berlin gabelt sie den Politikstudenten Jan auf, der sich wegen eines Stipendiums mit seinem Betrauer an der Uni überworfen hat. Das erste Treffen der beiden währt nur kurz, dann trennen sich die Wege von Jule und Jan zunächst wieder. Wenig später kommt er ihr in einer unangenehmen Situation zu Hilfe – und den Rest des Films, der etwa eine Woche Realzeit abbildet, fahren die zwei durch Europa: von Berlin über Köln, weiter über Belgien nach Frankreich, hinein nach Spanien und schließlich nach Portugal. Die ganze Zeit reden Jule und Jan miteinander.

Zwei Menschen, die nichts miteinander zu tun hatten, treffen sich zufällig. Sie tasten sich verbal ab, reden, tauschen Meinungen und Standpunkte, streiten dann gleich über Essen­ziel­les. Je länger die Reise dauert, umso vertraulicher werden die Gespräche. Es geht es um die ganz großen Themen, und fast nie kommt man dabei schnell auf einen gemeinsamen Nenner oder verständigt sich über einen Kompromiss. Denn Jule und Jan sind nicht nur bloße Aus­steiger, späte Hippiekinder, sondern wie aus ihrer jeweiligen Ordnung herausgefallen. Beide sind keine einfachen Charaktere, stehen sich zum Teil selbst im Weg, weil sie sich quer zu gegebenen Ordnungen stellen. Beide suchen ihren eigenen Weg. Jan ist der politisch aktive Kopf, er inve­stiert viel Dynamik, um am Ende oft die falsche Entscheidung zu treffen. Jule wirkt ruhiger und reflektierter, aber auch verzagt und verwirrt. Zumindest beginnt es so.

Nach eigener Aussage sind die Arbeiten des Regisseurs Hans Weingartner immer schon Mischungen aus “Philosophie und Liebesfilm”. Im Fall von “303” ist Weingartner zur Form seines Erstlings “Das Weiße Rauschen” (2001) aufgelaufen, der Film, der seinerzeit Daniel Brühl zum Durchbruch verholfen hat. Auch damals ging es um die Reise in einem alten Bus, und der Held war kein Held, sondern ein unsicherer junger Mann auf der Suche nach sich selbst. Weingartner hat in der Vorberei­tung seines neuen Films 200 Interviews mit jungen Leuten auf Video aufgenommen, um zu möglichst authentischen Aussagen zu kommen. Nichts in “303” ist im­pro­visiert, wie man ob der Wirkung glauben könnte, alles ist der heu­tigen Jugend von den Lippen abgelauscht. Wer einen beeindruckenden Film sehen möch­te, in der junge Menschen nicht so reden, wie ihre Eltern gerne möchten, dass sie re­den, sondern quasi unbeobachtet, unzensiert, tastend auf der Suche nach sich selbst, der ist am 04. Juli um 18:30 Uhr im Alten Kino in der Ingelheimer Turnerstraße an der richtigen Stelle.   

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Black is beautiful – oder doch nicht?

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Aktuell im Kino tut es BlacKkKlansman von Spike Lee: Aber schon die Erfolge von jüngeren Filmen wie Django Unchained, Twelve Years a Slave, Selma oder auch Get Out haben gezeigt, dass in den Vereinigten Staaten von Amerika das sogenannte Rassenproblem heute noch immer – oder vielleicht gar erstmals? – höchst aktuell ist. Offensichtlich ist da noch Vieles aufzuarbeiten und neu zu justieren. Im Jahr 1963 sprach Martin Luther King seine berühmten Worte “I have a dream” vor 250.000 Menschen am Kapitol in Washington, im gleichen Jahr starb die große weiße Hoffnung John F. Kennedy, fünf Jahre später lag auch der Schwarze Martin Luther King in seinem Blut, erschossen von einem Fanatiker, der die Trennung der “Rassen” auf die trostloseste Weise aufzuhalten hoffte.

In den sechziger Jahren begann in den USA dennoch die zähe Verhandlung des­sen, was im amerikanischen Selbstverständnis seit der Unabhängigkeitserklärung auf dem Papier eigentlich unverrückbar fest steht: All Men are Created Equal. Doch nur vor Gott sind alle Menschen gleich. Problem ist die konkrete Ver­handl­ung, zum Beispiel dessen, was die amerikanische Filmindustrie, also Hollywood, aus dem Gesetz gemacht hat. Raoul Pecks vielfach preisgekrönter, beeindru­ckender Essay über den schwarzen Schriftsteller James Baldwin (1924-1987), der an diesem Prozess zentral teilhatte, widmet sich dieser Frage an drei Figuren.

Medgar Evers‘ Name ist hierzulande nicht so bekannt geworden, man kennt ihn vielleicht von dem legendären Dylan-Album The Times they are a-Changin. Ein Song beginnt da, ganz getragen und bedeutend, mit den Worten A Bullet from the Back of a Bush. Took Medgar Evers’ blood, um im Refrain auf eine bis dato gültige Einschätzung zur Rolle des Schwarzen in der us-amerikanischen Gesellschaft zu kommen: He’s only a Pawn in their Game, er ist nur ein Bauer im (Schach-)Spiel. Der Zeitpunkt der Veröffentlichung war signifikant: 1964. Da hatte Martin Luther King noch einige Jahre zu leben, die schwarze Hoffnung, dessen Legende ich z.B. in Selma sehr passend erzählt fand. Im Revolutionsjahr 1968 wurde MLK dann ermordet. Das ist jetzt 50 Jahre her – sein Name strahlt freilich nach wie vor, als Legende und als Idee. Einigen war MLKs Kurs der Versöhnung freilich zu sanft, zu versöhnlich; für den radikalen Aktivisten Malcolm X war MLK nur The Whitest Nigger in Town, wie man in Spike Lees filmischer Biographie Malcolm X (1992) sehen und hören kann. Ein Teil der politischen Aktivisten ist tatsächlich immer so unversöhnlich geblieben wie die beiden Sprinter in Mexiko 1968, die ihre schwarzbehandschuhten Fäuste bei der olympischen Siegesfeier in den Himmel reckten und damit für das Urbild der Black-Panther-Bewegung sorgten.

Ich selbst habe im November 1984 ein rowohlt-Taschenbuch gekauft, Teufels­werk von James Baldwin, darin ging es laut Untertitel um Betrachtungen zur Rolle der Farbigen im Film, die in Hollywood seit je als Subalterne behandelt wurden, bis in die 60er hinein auch immer nur Nebenrollen innehatten – Diener, Sklaven, letzten Endes verfügbares Menschenmaterial. Dieses Buch ist deutlich die Quelle von Pecks Film-Essay, den F!F am 12. September 2018 im Obsthof Gottschalk zeigt. Vielleicht führen wir irgendwann auch noch The Jazz Singer (1928) oder Gone with the Wind (1939) auf, Klassiker, an denen die Problematik sich ebenfalls drastisch zeigen würde. Sie spielt im übrigen auch eine kleine Rolle im nächsten F!F-Film, The Battle of the Sexes, zu sehen am 29. August in der Burg Windeck in Heides­heim. Und dann einen vergnüglichen bzw. lehrreichen Filmabend mit James Baldwin!

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Gegen die Hitze – gehen Sie ins Kino! Es gibt einiges zu feiern.

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In den nächsten Wochen dürfen Sie sich auf eine ganze Reihe von lange vorbereiteten, viel verspre­chenden F!F-Veranstaltungen freuen. Damit laufen wir, der Vorstand der Freunde Ingelheimer Filmkultur, gegen einen Trend an: Der Sommer ist traditionell die Zeit, in der im Kino wenig los ist. Die Verleiher halten deshalb auch so manchen guten Film zurück. Für unsere Region kam in diesem Sommer ver­schär­fend hinzu, dass die beiden Mainzer Programm­kinos Capitol und Palatin längere Zeit geschlossen waren, weil die Betreiber, mit denen F!F im übrigen seit jeher eng zusammen arbeitet, eine Renovie­rungs­pause einlegten. Nun ist diese Pause vorbei, die Kinosäle erstrahlen in neuem Glanz, und eine Überraschung erwartet den ungeduldig gewordenen Kinogeher: Zur Wiedereröffnung gibt es im Palatin eine Hommage an Ingmar Bergman, der am 14. Juli einhundert Jahre alt geworden wäre. Die vergleichs­weise nicht ganz so bedeutende deutsche Regisseurin Margarete von Trotta, die man vielleicht von „Die Bleierne Zeit“ (1981) kennt, einem nachdenklich machenden Film über die beiden Ensslin-Schwestern, hat zudem eine Würdigung angefertigt, die unter dem Titel „Auf der Suche nach Ingmar Bergman“ ab Anfang August in Mainz zu sehen sein wird. Die werde ich mir ansehen; mehr freue mich auf das Wiedersehen mit den Klassikern des schwedischen Schwergewichts selbst. Bei Bergman waren in den 50er und 60er mit einem Mal Auseinander­setzungen mit Liebe und Sexualität, mit seinem (sehr protestantischen) Gott und der menschlichen Existenz zu sehen, und das war in seiner Radikalität damals neu und außerordentlich aufregend. Einen guten Film kann man – wie alle gute Kunst – daran erkennen, dass er nicht altert.

Wenn es einen Teufel des Kinos geben sollte, hat er sich am Abend des 30. Juli 2007 wohl ganz zufrieden zurückgelehnt. An diesem Tag, der sich, während ich diese Zeilen schreibe, zum 11. Male jährt, holte er nicht nur Ingmar Bergman zu sich, sondern auch noch den großen italienischen Regisseur Michelangelo Antonioni. Den ließ er immerhin 94 Jahre alt werden. Im Vergleich zu Bergman hatte Antonioni nur ein schmales Themenfeld, doch von ebenfalls existenzieller Wich­tig­keit: Es ging bei ihm immer darum, warum die Sache zwischen Frauen und Männern nie so richtig reibungslos funktioniert. Besonders in seiner „Tetralogie der Agonie“, den vier Filmen von „L’Avven­tura“ (1959) bis „Il Deserto Rosso“ (1964), hat Antonioni seine Meisterschaft unter Beweis gestellt. Ich sehe mir diese Filme immer wieder an. Bekannt dürfte er heute allerdings eher noch für „Blow-up“ (1966) und „Zabriskie Point“ (1969) sein, zwei Filme über den gesellschaft­lichen Aufbruch um 1968, ein weiteres Lieblingsthema von mir. Über „Blow-up“ habe ich jüngst ein langes Forschungs­projekt fertiggestellt. Und weil ich gerade beim Persönlichen bin und weiter oben ein paar Jubiläen erwähnt habe: Am 5. September muss ich mich einem runden Geburtstag stellen. Den Tag möchte ich zusammen mit meiner Frau an einem Drehorte von „L’Avventura“ verbringen, in Noto auf Sizilien, und ihr den bemer­kens­werten Monolog des inspirationslosen Architekten Sandro vorsprechen, der mich seit Jahr­zehnten begleitet. Kino ist so viel mehr als Popcornverzehren, es ist eine vitale Erfahrungswissenschaft, und in der 123-jährigen Geschichte des Film gibt es noch unglaublich viele Perlen zu entdecken. Hoffentlich die eine oder andere mit Ihnen in Ingelheim!

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War das nun echter F!F-Abend?

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Die Frage treibt uns im Vorstand des Öfteren um, wenn wir eine Veranstaltung besprechen. War das nun ein echter F!F-Abend? Hat sich jene spezielle Magie eingestellt, die wir sehr mögen, die aber auch wir nur gemeinsam mit einem – möglichst großen – Publikum erleben, vielen anderen Menschen, mit denen man zusammen zwei Stunden lang leidet, lacht und liebt? Was sind die Bestandteile eines “echten F!F-Abends”?

Am Anfang steht immer ein guter Film. Wir geben uns größte Mühe, unser Ingelheimer Publikum dahingehend zu verwöhnen – eher selten mit Popcorn-Kino oder “Flachware”, also Filme, die man auch im nächsten Kino-Dom sehen könnte und auch sehen sollte. Wir könnten anderweitig vielleicht mehr Tickets verkaufen, suchen aber Filme mit einem gewissen Anspruch für Erwachsene und Jugendliche aus. Dazu, zweites Kennzeichen, werden die Filme auf den Ort, die spezielle Location hin, adaptiert. Der Film soll zu dem Ort passen, zur Zimmerei, zur Baustelle, zum E-Werk. Drittens bieten wir ein Rahmenprogramm. Wir laden, wenn es geht, Gäste ein: Filmkritiker, Wissenschaftler, oder, immer wieder und besonders gern, auch Filmemacher. So etwa beim letzten F!F-Abend am 19. Juli im Haus Burggarten, als wir den Frankfurter Filmemacher Simon Stadler zu seinem Afrika-Film “Ghostland” begrüßen und befragen durften. Oft unangekündigt, gibt es zum Vierten an manchen Aben­den einen Kurzfilm im Vorprogramm, der thematisch zum langen Film passt oder diesen wirkungsvoll kontrastiert. Auch das geschieht nie ohne Überlegung. Und fünftens, last but not least, sorgen wir immer für einen Snack und ein gutes Glas Wein. Das tun wir weniger, weil wir finden, dass es in Ingelheim zu wenig Gelegenheiten zum Feiern gibt, sondern weil wir das Gespräch und die Freude am Kino vor und nach dem Film fördern wollen, und dazu gehört eben vor allem, die eigenen intellektuellen und sinnlichen Eindrücke mit denen anderer abzugleichen.

Diese Form von Kino hat derzeit einen gewaltigen Aufschwung. Wie eine soeben veröffentlichte Studie der Filmförderungsanstalt zeigt, gab es im Jahr 2017 in Deutschland ein paar wenige Leinwände mehr als im Vorjahr, aber 3,9% mehr bei den sogenannten “Sonderformen”, das sind Kommunale Kinos, Open-Air-Veranstaltungen, Universitätskinos. Den höchsten Zuwachs lieferten mit sagenhaften 24,01% im Vergleich zum Vorjahr dabei die soge­nann­ten Wanderkinos, gerne von Vereinen betrieben, an wechselnden Spielstätten und mit einem abwechslungsreichen Programm. Wir liegen also in einem Trend, und waren Vorreiter, denn das F!F-Konzept “Wanderkino” funktioniert bereits seit sechs Jahren. Dass unser Publikum die ganzen Mühen honoriert, zeigt uns, neben der Jahres­hauptversammlung, vor allem die stetig anwachsende Mitglieder­zahl. Besonders freuen wir uns derzeit darüber, dass 2018 das erste Jahr werden könnte, in dem alle F!F-Veranstaltungen ausverkauft sind. Alle, das heißt 100% aller Sitze! Im Moment sieht es danach aus. Das gelingt, wenn Sie weiter zu uns und zu vielen echten F!F-Abenden kommen.

Programmänderung

Gratis Sportfilm-Open-Air ab 5.7. auf dem Sebastian-Münster-Platz

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Wir wussten schon lange, dass die Deutsche Nationalmannschaft die Vorrunde nicht überstehen wird. Bei drei Gegnern aus Nicht-EU-Staaten… wie sollte das anders laufen?

Daher hatten wir hinter unserem Schienbeinschoner ständig einen Zettel bei uns, auf dem unsere Lieblingssportfilme notiert waren – und diese zeigen wir jetzt in Kooperation mit der iKUM, der Ingelheimer Kultur und Marketing Gesellschaft:

Boxen: Donnerstag, 5. Juli 2018, 19 Uhr, Bleed for this!
Tanzen: Donnerstag, 12. Juli 2018, 19 Uhr, La La Land
Formel 1: Samstag, 14. Juli 2018, 19 Uhr, Rush

Alle Infos in unserem aktuellen Programm

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Zwei Filme zur “subjektiven Blindheit”

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Was sieht ein annähernd blinder Mensch? Und wie kann solches Sehen durch einen Blick der Filmkamera dargestellt werden? Diesem Problem widmet sich neben unserem diesjährigen Hauptfilm Mein Blind Date mit dem Leben bei Silke Weidenbach und Jürgen Mett auch der Vorfilm 97% – beide Filme allerdings auf sehr unterschiedliche Art und Weise.

Subjektive Kameraführung im Film ist in der Regel dadurch gekennzeichnet, dass sie die Sicht eines bestimmten Protagonisten einnimmt. In Mein Blind Date sieht man den Protagonisten und im nächsten Bild dann (manchmal) seinen Blick auf die Welt, der sehr eingeschränkt ist, weil unser Held eben – fast blind ist.

Das klingt einfacher, als es als Darstellungproblem im Kino in aller Regel erscheint. Gern genutzte Verdeutlichungen von “Subjektivität” im Kino sind Blicke durch ein Fernrohr oder ein Schlüsselloch, die für das Filmbild “maskiert” werden mithilfe der entsprechenden Rahmung des Bildes. Allgemein als gescheitert gilt der Versuch, den größten Teil eines Film ausschließlich aus der Sicht eines Protago­nisten zu erzählen; versucht wurde das in Hollywood, inThe Lady in the Lake (1947). Eine andere, früh entwickelte Möglichkeit, die “Subjektivität” einer Einstellung zu markieren, bestand darin, die Kamera die gleichen “Bewegungen” machen zu lassen wie einen Protagonisten. Das gibt es bei Harold Lloyd und anderen Slapstick-Artisten. Dabei kann der Eindruck entstehen, der Zuschauer sehe durch die Augen eines Handelnden. Ein Beispiel dafür ist die schockierende Eingangssequenz des ersten Halloween-Teils von 1978. Als Zuschauer kann es einem so durchaus schlecht werden, wenn es man es nämlich nicht schafft, sich auf die Illusion einzulassen. Großartig fand ich dagegen die eingeschränkte Wahrnehmung des Protagonisten des ungarischen Films Son of Saul (2017), der an der Rampe eines Vernichtungs­lagers arbeitet und ob des ganzen Grauens die Augen “verschliesst”; der Film fokussiert den Mann, lässt aber Umgebung und die (durchgehend nackten) Opfer ziemlich im Unscharfen. Von den vielen Versuchen, den Holocaust darzustellen, ist dies für mich der bis dato gelungenste, und außerdem ein gutes Beispiel dafür, wie Filmtechnik im Dienst der Erzählung sinnvoll eingesetzt wird. Mein Blind Date hat einen anderen Anspruch – der Film ist unterhaltsam, humorvoll, und dabei nicht ganz ohne Tiefgang. Ebenso der Vorfilm 97%, der ebenfalls heiter daher kommt, jedoch eine andere, die größte und weitestverbreitete Blindheit unserer Tage ironisch aufs Korn nimmt, die digitale Blindheit. Lassen Sie sich überraschen, Sie kennen das Problem genau und Sie werden sich darüber sicher amüsieren. TM

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Flugzeuge haben Vorfahrt! Euer Weg zum Kinoevent DUNKIRK im Hangar 5

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Fahren Sie von der L419 immer Richtung Tower oder Flugplatz. Achten Sie auf die F!F-Fahnen.
Tipp für’s Navi: Manche Navigationsgeräte haben den Flugplatz noch nicht gespeichert. Verwenden Sie daher alternativ “Am Finther Wald 1” als Referenzadresse.

Folgen Sie vor Ort den Schildern durch das alte Kasernengelände “Zum Flugplatz”.

Wir möchten an dieser Stelle unsere Besucher darauf hinweisen, dass das Betreten/Befahren der Betriebsflächen ohne eingewiesene bzw. zugangsberechtigte Begleitung oder vorherige Genehmigung seitens der Flugleitung (Tower), verboten ist.

Parken
Wir bitten unsere Besucher freundlich, die großzügigen, kostenfreien Parkflächen vor der Haupteinfahrt zum Flugplatzgelände zu verwenden. Rund um das Betriebsgebäude herrscht striktes Parkverbot aufgrund der Rangierflächen und im Ernstfall sehen wir uns gezwungen, widerrechtlich parkende Fahrzeuge kostenpflichtig zu entfernen. Bitte haben Sie Verständnis.

*Flugzeuge haben Vorfahrt!*

https://goo.gl/maps/6oKnovYK5d42

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Warum Dunkirk sehen

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Christopher Nolan ist ohne Zweifel einer der bestimmenden Filmmacher der 2000er Jahre. Memento (2002) war sein erster Erfolg, eine rückwärts ablaufende Kriminalgeschichte, die einen Mann ohne Gedächtnis in ihren Mittelpunkt stellte. Inception (2010) mit Leonardo di Caprio ist ein weiterer Film, der Massstäbe gesetzt hat, eine Sci-Fi-Spionagegeschichte, wieder höchst raffiniert und unzuverlässig erzählt. Beide Filme haben ihre glühendesten Fans unter Zeitgenossen, die mit diesen Filmen selbst groß geworden sind. Dazwischen bediente Nolan ein außerordentlich breites Publikum mit seinen Verfilmungen des klassischen Comics „Batman“. Er überzeugte dabei auch die anspruchsvolle Kritik insbesondere mit The Dark Knight Rises (2013) mit über eine Milliarde Dollar Einspielergebnis. Auf diese Weise ermöglicht sich Nolan Projekte wie den subtilen, seltsam melancholischen Sci-Fi-Film Interstellar. Der Soundtrack stammte, wie fast immer in den letzten Jahren, von dem in Frankfurt am Main geborenen Hollywood-Sound-Star Hans Zimmer. Das Team Nolan / Zimmer wirkte auch für Dunkirk zusammen; Zimmer erhielt dafür wieder einmal, und völlig zu Recht, einen Oscar – seinen zehnten, wenn ich richtig zähle. Das Erlebnis von Dunkirk macht das Gesamtpaket aus, in einer Komposition von drei voneinander unabhängigen Erzählsträngen, die meist abrupt ineinander übergehen und doch gemeinsam vielerlei widersprüchliche Emotionen freisetzen, Grauen und Mitleid, Bewunderung und Angst, Abscheu und sogar Glück. Das klassisch-heroische Gesicht des Kriegsfilms hat sich nun eindeutig und endgültig gewandelt. Der Ver­gleichs­film zu Dunkirk wäre im übrigen nicht der heldenvereh­rende The Darkest Hour über Winston Churchill, sondern Mrs. Miniver von 1942; von der gleichen Intensität und Humanität inspiriert, endet auch dieser Film mit der Freisetzung der eingekesselten britischen Truppen von Dünkirchen. Die Ereignisse von Dünkirchen haben in England nationale Bedeutung. Was man darüber hinaus am Vergleich von altem und neuem Film noch sehen kann: Digitale Filmtechnik kann, richtig eingesetzt, zum absoluten Segen werden. Dem Kino stehen weitere große Zeiten bevor. TM